Start Finanzen Hat die Corona Pandemie unser Verhältnis zum Bargeld verändert?

Hat die Corona Pandemie unser Verhältnis zum Bargeld verändert?

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Bargeld | © MabelAmber (CC0), Pixabay

Corona verändert die Welt – Auch beim Geld!

Der Coronavirus hat die Welt verändert, und das nicht nur sprichwörtlich. Die Wirtschaft bricht ein, und die langfristigen Folgen sind selbst von Experten nur schwer zu beziffern. Doch neben den ganzen negativen Aspekten hat sich auch eine positive Neuigkeit eingeschlichen. Zumindest wenn man ein Anhänger das bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist. Die Nutzungszahlen für Kreditkarten, EC-Karten und anderer Zahlungsmittel steigen stetig. Auch die Zahl der Onlineeinkäufe wächst immer weiter. Online einkaufen war früher ein Trend, aber in den Zeiten der Krise wollen immer mehr Menschen online einkaufen und so ihre lebensnotwendigen Güter beziehen. Auch Onlinehändler profitieren folglich deutlich von der Krise.

 

Onlinebanking und Vermögensverwaltung im Netz sind immer gefragter

Onlinekonten und die Vermögensverwaltung im Netz waren schon vor dem Virus sehr gefragt, aber in den Zeiten der Krise werden sie für die Verbraucher noch attraktiver. Doch mit der steigenden Nachfrage, steigt auch die Anzahl der Probleme mit den Angeboten. Nur damit kein Missverständnis aufkommt: Die nachfolgenden Zeilen sollen nicht darauf hinweisen, dass sämtliche Angebote im Netz einen Mangel an Seriosität aufweisen. Es kann aber nicht von der Hand gewiesen werden, dass der Kunde sich immer weniger auf einen zuverlässigen Kundenservice, nebst ausführlicher Beratung verlassen kann wenn er sich selbst um seine Geldmittel kümmert. Diese Tatsache öffnet natürlich die Türen und die Tore für unseriöse Angebote, aber auch für Angebote bei denen die gesetzlichen Informationspflichten einfach nicht ausreichen um wirklich alle Fragen zu beantworten und alle Risiken zu erklären. Gerade bei Anlagen und dem immer beliebteren Handel mit Derivaten und anderen Finanzprodukten steigt das Risiko einer Fehlkalkulation durch den Verbraucher. Das ist auch verständlich, denn immerhin ist der Verbraucher ein Konsument und dadurch immer keine ausgebildete Fachkraft mit entsprechendem Know-How und Hintergrundwissen. Das klassische Onlinebanking ist davon nicht betroffen, denn dieses ist bereits gut integriert und eine feste Institution geworden. Das Banking im Netz ist zudem gesetzlich so gut geregelt, dass das Risiko für den Verbraucher minimiert werden konnte.

Anders sieht es hingegen bei anderen Finanzprodukten aus. Vor allem dann, wenn man als Kunde selbständig Anlagen tätigen soll ist eine gewisse Vorsicht bei der Auswahl der Produkte unumgänglich. Nur selten ist ein Verbraucher ein Fachmann/eine Fachfrau für den internationalen Aktienmarkt, für binäre Optionen oder andere Finanzprodukte. Das bedeutet im Umkehrschluss folglich auch, dass das Risiko einer Fehlinvestition deutlich steigt und nicht immer kalkulierbar ist. Eine Lösung für diese Problematik sind gesteuerte Anlageprodukte. Dabei wählt der Kunde aus verschiedenen Risikoportfolios aus und das Geld wird dann durch Profis angelegt. Dadurch wird das Risiko eines teuren Fehlgriffes noch einmal verringert. Wer das alles eh schon bedacht hat, und sich digital einfach nur um die Verwaltung seines Vermögens und das Banking im Netz kümmern möchte hat derzeit gute Chancen. Die Zahl der Apps und Anwendungen steigt immer weiter, aber leider halten nicht alle Anwendungen auch das was sie versprechen.

Wer hier auf Nummer sicher gehen möchte, der sollte sich immer an die Anwendungen seiner Hausbank anbieten. Diese sind in der Regel kostenlos, und vor allem auf die angebotenen Produkte optimiert. Andere Apps enthalten oft versteckte Gebühren und sind bei weitem nicht unabhängig. Ein weiteres Problem ist die Weitergabe von Daten. Denn für eine erfolgreiche Registrierung muss der Kunde so gut wie alle wichtigen und relevanten Daten offenlegen. Dazu gehören teilweise auch die Kontendaten. Gerade bei Apps, die nachweislich von außerhalb des EU-Rechtsraumes kommen gibt es hier in der Regel einige Probleme. Datenschützer warnen davor Apps und Angebote zu verwenden, die nicht innerhalb der EU zertifiziert wurden und über die entsprechenden Datenschutzregelungen verfügen. Die in der Krise gestiegene Nachfrage nach solchen Apps, verbunden nach einem grundsätzlichen Wunsch nach mehr Autonomie ist natürlich ein Segen. Wer aber im Finanzbereich nicht ausreichend Acht auf sich gibt, der geht unter Umständen ein Risiko ein.

 

Online bezahlen, online einkaufen – Alles findet immer mehr im Netz statt

Man muss sich einmal vorstellen, was es bedeutet in Quarantäne zu sein. Während wir in Deutschland weitestgehend von solchen Regelungen verschont blieben, wurden in Italien und in anderen Ländern entsprechende Weisungen konsequent umgesetzt. Daheim zu bleiben, bedeutet natürlich auch in den eigenen vier Wänden leben zu müssen. Das Einkaufen von Waren und Dienstleistungen wird dadurch deutlich erschwert, aber auch die Bezahlung eben dieser bezogenen Produkte. Dadurch verändert sich nicht nur die Einkaufsgewohnheit, sondern auch die Art der Bezahlung. Das immer mehr im Netz bezahlt wird, liegt also auch an den äußeren Umständen. Ob diese Entwicklung auch nachhaltig sein kann, wird sich natürlich erst in ein paar Jahren zeigen wenn die Krise überstanden wurde. Allerdings muss damit gerechnet werden, dass ein gewisser Anteil an Einkäufern im Netz bleiben wird. Das gilt vielleicht nicht für die kleinen Dinge des Alltags, aber gerade größere Investitionen werden mittlerweile immer häufiger online gekauft.

Das hat natürlich Vorteile, aber auch Nachteile. Beispielsweise kann der Kundenservice vor Ort nie ersetzt werden. Der persönliche Kontakt zwischen Kunde und Verkäufer macht einen großen Teil der Kaufentscheidung aus. Dieser Kontakt kann im Netz leider nur bedingt stattfinden. Das muss aber nicht zwangsläufig ein Nachteil sein, je nachdem welches Produkt bezogen werden soll. Die Bezahlung im Netz hat aber auch einen großen Vorteil: Meist ist sie deutlich sicherer, als die Barzahlung. Wenn man mit Bargeld zahlt, und sein Geld zurück möchte ist meist ein recht unangenehmer Kontakt notwendig. Zudem muss das Geld auch noch sicher transportiert werden. Bei einer Onlinezahlung findet alles im Internet statt und das Geld ist in der Regel innerhalb weniger Augenblicke am gewünschten Ziel angelangt. Man hat also eine deutlich höhere Kontrolle über das Geld und kann die Ströme dadurch effektiver steuern.

 

Fazit: Das Verhalten ändert sich, aber vielleicht nicht so lange

Klar ist, dass die Krise rund um Corona unser Einkaufsverhalten und unser Verhältnis zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen nachhaltig verändert hat. Die Bank im Netz und die Verwaltung von Vermögen online haben eh und je einen hohen Stellenwert gehabt. Aber Corona hat die Nachfrage nach Finanzprodukten aus dem Netz noch einmal deutlich steigen lassen. Die nahe Zukunft wird davon nicht unbeeinflusst bleiben. Ob diese Veränderung allerdings auch nachhaltig sein wird, bleibt abzusehen. Experten rechnen damit, dass bei einer andauernden Krise die Zahl der Onlinetransfers steigen wird oder zumindest konstant auf einem hohen Niveau bleibt. Dennoch ist damit zu rechnen, dass über kurz oder lange die Menschen wieder in die Läden gehen und nicht mehr so viel online kaufen. Ob allerdings dadurch auch wieder die Zahl der Bargeldtransaktionen steigt bleibt fraglich. Gerade größere Summen wurden schon immer via Banktransfer gezahlt, und für kleinere Summen gibt es mittlerweile zahlreiche verschiedene Möglichkeiten zur Bezahlung. Ob via App, via EC-Karte oder über Kreditkarte – Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass mobile Bezahlverfahren und das Bezahlen ohne Bargeld einfach unumgänglich sind.